KARL-MAY-FILME


Der Löwe von Babylon

Deutschland / Spanien 1959

ALLE BILDER AUS DEM AGFACOLOR-FARBFILM NACH DEM KARL MAY-ROMAN "BEI DEN TRÜMMERN VON BABYLON"
COPYRIGHT ©1959
PRODUKTION: DCF.H. NEUBERT KG/SAIZ-PRODUKTION
VERLEIH: BAVARIA


Der Löwe von BabylonDer Löwe von BabylonDer Löwe von BabylonDer Löwe von Babylon

Plakat
"Der Löwe von Babylon"
(EA Bavaria 1959)
Der Löwe von Babylon

Helmuth Schneider  (Kara Ben Nemsi)
Georg Thomalla  (Hadschi Halef Omar)
Rafael Luis Calvo  (Ssäfir)
Theo Lingen  (Sir David Lindsay)
Fernando Sancho  (Prof. Ignatz Pfotenhauer)

Pedro Giminez  (Ikbal)
Mara Cruz  (Ssäfa)
Pilar Cansino  (Irida)
Antonio Casas  (Hauptmann Dosorca)
Antonio Alvarez  (Kepek)
Francisco Montalvo  (Osman Pascha)
Jose Sepulveda  (Sandschaki)
Barta Barry  (Pädäer)
Jose Manuel Martin  (Aftab)
Xan D'as Bolas  (Abdullah)
Jose Riesgo  (Ali)
Francisco Bernal  (Offizier)
Amelia Ortas  (Hanneh)



REFERENZ

Erscheinungsjahr1959  (EA 20.10.1959)
RegieJohannes Kai und Ramon Torrado
DrehbuchJohannes Kai
MusikUlrich Sommerlatte
KameraRicardo Torres
FilmAgfacolor, 35 mm
Original-Film (KINO)2703 m = 98 min.
TV/VIDEO/DVD *?
FSK:Ab 6 Jahren
* Die Differenz zur Kinofilm Laufzeit erklärt sich durch die um ein Bild pro Sekunde höhere Video Bildfrequenz.
(KINO 24 Bilder/Sek.) (TV 25 Bilder/Sek.) (PAL-SYSTEM)

INHALT

Der Ssäfir ist der Anführer einer Schmugglerbande, die sich in der Gegend um Hille rumtreibt. Ihr Hauptquartier ist eine Höhle im Birs Nimrut, wo sich eine riesige Götterstatue befindet. Da Hauptmann Dosorca ihrem Treiben auf die Schliche gekommen ist, wurde er gefangen und in die Höhle verschleppt. Der Ssäfir versucht, ihn sich gefügig zu machen, wozu er Dosorcas Frau und Kinder entführt hat. Dosorca stimmt nicht zu und wird niedergeschlagen. Er wird wieder freigelassen, doch zuhause angekommen findet er seine Frau getötet vor seiner Haustüre liegen, die Kinder sind verschwunden. Er flieht.

20 Jahre später ist Hadschi Halef Omar derweil Scheich der Haddedihn geworden. Doch während er vor dem Zelt seine Truppen rundmacht, muss er bei seiner dominanten Frau Hanneh zum Kartoffelnschälen antreten. Da kommt es gerade recht, dass eben Kara Ben Nemsi zu Besuch kommt und mit Halef den Tigris hinabsegeln will. Trotz einer Meinungsverschiedenheit mit seiner Frau kommt Halef letztendlich mit.

Abends lagern sie am Ufer. Doch kaum sind sie an Land, sehen sie noch ein anderes Floss, das in der Nähe lagert, mit den Schmugglern Aftab und Pädäer. Kara beschleicht sie, doch durch eine Unachtsamkeit Halefs werden sie bemerkt. Kara hört nur noch, dass die beiden Banditen wegen einer Schmugglerkarawane unterwegs sind. Außerdem erzählen sie die Geschichte des Hauptmann Dosorca. Es kommt zum Streit, bei dem Kara einen Ring am Finger des einen bemerkt, offensichtlich ein Erkennungszeichen.

Auf der Weiterfahrt treffen sie auf einen angeblichen Kaufmann, der überfallen wurde und nach Hille will. Für die Nacht weiß er eine Hütte zum Schlafen. Doch dieser Mann ist Abdullah, ein Freund von Aftab. Er soll Kara und Halef in die Hütte locken, um sie zu überfallen. Doch Kara ahnt den Plan, da er denselben Ring bemerkt, und die Schurken können abends überwältigt werden. Zwei der Ringe nimmt Kara an sich.

Nun reitet er zu Dosorca, um diesen zu warnen. Er erfährt dessen ganze Geschichte und sagt ihm dass seine Kinder vielleicht noch leben. Dann reiten Kara und Halef nach Hille los, um den Ssäfir und Dosorcas Kinder zu suchen.

Sofort nach ihrer Ankunft treffen sie Ikbal, den Adoptivsohn des Ssäfir. Kara gibt sich als der Pädäer aus, und er wird in den Transport eines Schmugglerzuges in Form einer Totenkarawane eingeweiht, die er führen soll. Ikbal selber will eine andere Karawane zum Birs Nimrut in die Hände von Banditen führen. Kara verabschiedet sich und reitet zum Haus des Ssäfir. Halef schickt er zu Sandschaki, um dort alle Vorhaben des Ssäfirs zu melden.

Im Haus des Ssäfirs trifft er diesen nicht an; nur seine Tochter Ssäfa ist anwesend. Auch hier gibt sich Kara als Pädäer aus, stößt damit jedoch bei Ssäfa auf Ablehnung. Sie ist über die Geschäfte ihres Vaters nicht glücklich und macht Kara dafür verantwortlich. Kara wundert sich über diese Verachtung und wird dadurch misstrauisch.

Ikbal ist unterdessen als Führer zur Karawane geritten, mit der die schöne Irida reist. Ikbal verliebt sich in sie. Auch der bayrische Vogelprofessor Ignaz Pfotenhauer will mit der Karawane reisen, was ihm erlaubt wird.

Kara und Halef übernehmen die Schmugglerkarawane, doch schon wenig später werden sie vom Sandschaki erwischt, der in der Nähe weilt. Beide werden verhaftet und ins Gefängnis gesperrt. Doch wieder einmal zeigt sich die Bestechlichkeit der dortigen Justiz: Der Sandschaki steht ebenfalls in den Diensten des Ssäfirs und befreit beide wieder von ihren Fesseln. Außerdem gibt er ihnen einen Passierschein.

Unterdessen kommt der richtige Pädäer mit Aftab zum Ssäfir. Das falsche Spiel von Kara wird von Ssäfa aufgedeckt. Ali berichtet, dass Kara und Halef von Sandschaki gefangen wurden. Daraufhin reitet der Ssäfir sofort dorthin, doch er kommt zu spät: Kara und Halef sind schon befreit. Der Sandschaki schickt sofort einige seiner Leute hinterher, um die Entflohenen wieder einzufangen.

Auf ihrem Weg zum Birs Nimrut treffen Kara und Halef auf Sir David Lindsay, der mit Ausgrabungen beschäftigt ist. Wieder kommen Soldaten des Sandschaki hinzu, doch Kara zeigt seinen Passierschein vor und wird wieder freigelassen.

Bei der Weiterreise treffen sie wieder auf die Schmugglerkarawane. Halef versucht, sie zu beschleichen, doch er wird erwischt. Durch eine List gelangt auch Kara in ihre Hände. Beide werden gefesselt und auf ein Floß verfrachtet.

Doch auch Ssäfa ist dabei. Sie erkennt Kara Ben Nemsi und schneidet ihm die Fesseln durch, so dass er fliehen kann und zum Ufer schwimmt. Dort wird er von Ssäfa empfangen. Kara erfährt, dass Ssäfa gar nicht die Tochter des Ssäfirs ist, sondern ihre Eltern getötet wurden. Ausserdem erzählt sie, dass Ikbal ihr Bruder ist. Unterdessen wird Halef weiter zum Birs Nimrut gebracht.

Die Banditen suchen das Ufer ab und finden Ssäfa, bei der noch die durchschnittenen Fesseln liegen. Der Pädäer ahnt, dass sie Kara zur Flucht verholfen hat und nimmt sie in seine Gewalt. Kara entkommt und reitet zum Birs Nimrut.

Dort liegen die Banditen bereits im Hinterhalt, um die von Ikbal geführte Karawane zu überfallen. Dieser zögert jedoch, da er noch Irida, in die er sich verliebt hat, retten will. Doch Pfotenhauer gibt unbeabsichtigterweise das Zeichen, als er auf der Suche nach einem Vogel ist.

Dadurch wird der Überfall entdeckt. Doch es ist zu spät, um noch irgend etwas zu retten. Der Überfall gelingt und die Reisenden werden gefangen und in den Birs Nimrut gebracht.

Dort reitet auch Kara hin. Er trifft wieder Sir Lindsay, der eine Höhle gefunden hat, die genau in der Schmugglerhöhle endet. Von dort sieht Kara die Gefangenen. Er reitet wieder los, diesmal zu Osman Pascha, dem er alles erzählt und nebenbei auch noch die korrupten Beamten enttarnt. Daraufhin schickt Osman Pascha Soldaten los.

In der Höhle wird derweil auch noch Sir David gefangen. Da der Ssäfir das Nahen Osman Paschas erfährt, will er sofort die Höhle verlassen und sie mitsamt der Gefangenen in die Luft sprengen.

Osman Pascha kommt an und Kara übernimmt die Aufgabe, den Eingang von innen zu öffnen. Er steigt durch die Gänge in die Höhle und kann in letzter Minute die Gefangenen vor einem Ünglück bewahren. Der Ssäfir ist unterdessen geflüchtet. In letzter Minute kann Kara ihn noch stellen und mit Hilfe von Osman Pascha wird er unschädlich gemacht.

Gerührt schließt Dosorca seine todgeglaubten Kinder in die Arme - und auch Irida, die vielleicht bald zur Familie gehören wird. Kara Ben Nemsi und der Scheich der Haddedihn aber ziehen, reich belohnt, neuen Abenteuern entgegen.


BUCHVORLAGE

Nach dem relativ guten Erfolg der "Sklavenkarawane", die von der Filmbewertungsstelle sogar das Prädikat "Wertvoll" erhielt, musste natürlich ein Nachfolger her. Wieder ein Orientstoff, wieder mit Georg Thomalla. Dass dieser aber dieses Mal an der Spitze der Besetzungsliste stand, zeigt, dass die Betonung eher auf den komischen Elementen als auf der Spannung lag. Ausgetauscht wurde aber der Darsteller des Kara Ben Nemsi; anstelle des doch recht leblos wirkenden Viktor Staal trat nun Helmut Schneider an, der seine Sache - meiner Meinung nach - wesentlich besser machte. Auch wieder dabei sind Sir David Lindsay und Professor Pfotenhauer, die im Roman nicht auftauchen.

Aufmerksamen Beobachtern ist wohl aufgefallen, dass es kein May-Werk namens "Der Löwe von Babylon" gibt. Trotzdem dient dem Film ein einziger Roman als Vorlage, und zwar "Bei den Trümmern von Babylon". Warum die Produzenten diesen Titel nicht beibehielten, ist rätselhaft; vielleicht soll dieser Titel ein Mix aus den ersten beiden Teilen des Silberlöwen, "Der Löwe der Blutrache" und "Bei den Trümmern von Babylon" sein. Der Film beschäftigt sich jedoch nur mit Motiven des letzteren Buchs. Die Geschichte liegt zeitlich am Ende der Orientabenteuer, mehrere Jahre nach dem "Schut". Rih, das Pferd, das Kara Ben Nemsi durch die ersten sechs Abenteuer der Gesammelten Werke begleitete, ist lange tot. Halef hat dafür schon einen ungefähr zehnjährigen Sohn, Omar ben Sadek wohnt jetzt bei den Haddedihn.

Am Anfang des Filmes kommt Kara zu den Haddedihn, wo er von Halef begrüßt wird. Genau wie im Buch zeigt sich hier Hanneh als die dominante Person, die ihren Hadschi voll im Griff hat. Trotzdem gelingt es Halef, mit Kara auf eine Reise zu gehen, und zwar wollen die beiden den Tigris hinunter. Im Buch reitet Kara Rihs Sohn, Assil ben Rih. Das wird im Film jedoch nicht erwähnt.

An der ersten Nachtstation treffen die beiden dann feindliche Perser, die Kara belauschen will. Während er das tut, versucht Halef, einen Löwen zu schießen. Leider hat er sich geirrt, das von ihm für einen Löwen gehaltene Tier ist eine Hyäne und die Anwesenheit der beiden verraten. Kara erkennt, dass die vor ihm stehenden Leute Mitglieder eines Geheimbundes sind, da sie charakteristische Ringe tragen. Im Buch nimmt er sie ihnen sofort ab und überwältigt sie, während sich die Personen im Film in Misstrauen trennen.

Auf der Weiterreise begegnen sie dann im Buch einem Mann und seiner Frau, im Film einem einzelnen Mann. Auch die sind Mitglieder des geheimen Bundes, die Kara und Halef in eine Falle locken sollen; doch die durchschauen die Falle und können alle Mitglieder, den Pädäer und Aftab, überwältigen. Außerdem erfahren sie noch, dass die Gefangenen einen gewissen Dosorca aufsuchen wollen.

Aufmerksame May-Leser werden sich vielleicht an jenen Dosorca erinnern, der in Bagdad wohnte. Hier wohnten Kara und Halef während ihres Abenteuers "Von Bagdad nach Stambul" für einige Zeit. Dieser Dosorca hatte einen dicken Diener namens Kepek. Im Buch wird diese Bekanntschaft erwähnt, während sich die Personen im Film völlig unbekannt sind.

Dieser Dosorca erzählt Kara nach einiger Zeit von seinen Erlebnissen mit einem Ssäfir, der das Oberhaupt des Schmugglerbundes ist, in der Nähe von Hille. Der Ssäfir wollte Dosorca, zu früherer Zeit Hauptmann, auf seine Seite bringen, damit dieser gelegentlich bei Schmugglereien wegsehen könnte. Darauf ging Dosorca nicht ein, worauf ihm der Ssäfir das Leben schwer machte. Auch wenn die Einzelheiten nicht sehr wichtig sind, finde ich die Filmversion wesentlich spannender und glaubwürdiger.

Das Resultat beider Versionen ist jedoch, dass Kara und Halef versuchen, den Ssäfir zu enttarnen und die Schmugglerbande auffliegen zu lassen.

Kara und Halef reiten nun nach Hille. Im Film treffen sie dort auf Ikbal, den "Sohn" des Ssäfirs, der eine Karawane in die Hände von Verbrechern lenken soll. Kara gibt sich dort als den Pädäer aus und sagt, er solle eine Leichenkarawane in Empfang nehmen am Birs Nimrut. Dort reiten Kara und Halef dann auch hin, nachdem sie vergeblich versucht haben, die korrupten Behörden für sich zu gewinnen.

Im Buch reiten Kara und Halef auch nach Hille, um dort den Ssäfir beim Sandschaki anzuklagen. Der dreht den Spieß jedoch rum, und plötzlich sind sie die Angeklagten mit dem Ssäfir als Zeugen. Sie können fliehen und reiten zum Birs Nimrut, um das Geheimnis des Berges selber aufzuklären.

Am Birs Nimrut angekommen, bemerken die beiden die Schmugglerbande. Halef will seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und beschleicht sie, wird dabei aber gefasst. Durch eine List wird dann auch Kara gefangen, kann sich jedoch befreien.

Im Buch wird er jedoch wieder gefangen und in den Birs Nimrut geschleppt. Dort kann er aufgrund eines verschütteten Stinktierganges entkommen und reitet wieder nach Hille. Dort trifft er einen alten Bekannten, Osman Pascha. Zusammen mit seinen Truppen reitet Kara zurück und umstellt den Berg. Dadurch wird der Ssäfir gefangen.

Im Film reitet Kara ebenfalls nach seiner Flucht zum Birs Nimrut. Dort trifft er Sir David Lindsay, der dort Ausgrabungen macht und einen geheimen Gang in den Kopf einer Statue gefunden hat. Die beiden folgen dem Gang, und Kara entdeckt die Schmugglerhöhle. Während Lindsay dort wartet, reitet Kara nach Hille zu Osman Pascha und ruft Hilfe, die er auch erhält. Die Soldaten stürmen den Haupteingang, während Kara durch den Gang die Gefangenen befreit und den Ssäfir zur Strecke bringt.

Ein Unterschied ist die Beschreibung der Höhle des Birs Nimrut. Im Film wird der als eine riesige Höhle mit einer meterhohen Statue dargestellt. Dagegen wird er im Buch als ein Höhlensystem beschrieben, der in fünf Räume unterteilt ist.

Der Film endet mit der Zusammenführung Dosorcas und seiner Kinder. Das kommt im Buch gar nicht vor. Dosorca erzählt zwar, dass er seine Kinder verloren hat, doch werden sie im Buch nicht wiedergefunden. Auch Ssäfa oder Ikbal als Kinder des Ssäfir tauchen nicht auf.

Im Buch tauchen jedoch Ikbal und Dosorca noch einmal auf, und zwar im vierten und letzten Teil des Silberlöwen, "Das versteinerte Gebet". Beiden treffen sich bei dem Stamm der Dschamikun.

Im Nachhinein ist auch der dritte Film ein gelungenes Werk, wenn er auch an den Kinokassen nicht erfolgreich war. Der Roman ist gut umgesetzt, die Hauptdarsteller sind auch passend gewählt und der Film ist spannend bis zum Schluß. Dazu eine schöne Musik und eine passende Landschaft - was will man mehr?

(bk)