KARL-MAY-FILME


Der Schatz im Silbersee

Deutschland / Jugoslawien 1962

ALLE BILDER AUS DEM RIALTO-CONSTANTIN-CINEMASCOPE-FARBFILM NACH DEM GLEICHNAMIGEN ROMAN VON KARL MAY "DER SCHATZ IM SILBERSEE"
COPYRIGHT ©1962
PRODUKTION: RIALTO / JADRAN / S.N.C.
VERLEIH: CONSTANTIN-FILM


Der Schatz im Silbersee (EA Constantin 1962)Der Schatz im Silbersee (EA Constantin 1962)Der Schatz im Silbersee (EA Constantin 1962)Der Schatz im Silbersee (EA Constantin 1962)

Plakat DIN A1
"Der Schatz im Silbersee"
(EA Constantin 1962)
Der Schatz im Silbersee

Lex Barker    (Old Shatterhand)
Herbert Lom  (Cornel Brinkley)
Götz George  (Fred Engel)
Karin Dor  (Ellen Patterson)

Marianne Hoppe  (Mrs. Butler)
Eddi Arent  (Lord Castlepool)
Ralf Wolter  (Sam Hawkens)

Jan Sid  (Patterson)
Ilija Ivezić  (Hilton)
Mirko Boman  (Gunstick Uncle)
Branko Spoljar  (Hartley)

Milivoj Stojanović  (Knox)
Slobodan Dimitrijević  (Rollender Donner)
Jozo Kovacević  (Großer Wolf)
Velimir Hitil  (Woodward)

Pierre Brice  (Winnetou)

REFERENZ

Erscheinungsjahr 1962  (EA 12.12.1962)
Regie Dr. Harald Reinl
Drehbuch Harald G. Petersson
Musik Martin Böttcher
Kamera Ernst W. Kalinke
Film Cinemascope (2.35:1), 35 mm, Eastman Color
Original-Film (KINO) 3027 m = 110 min. 38 sec.
TV/VIDEO/DVD * 106 min. 13 sec.
FSK: Ab 12 Jahren, später ab 6 Jahren (gekürzte Fassung)
Bemerkungen Bambi (1964)
Goldene Leinwand (1964)
Prädikat "Wertvoll"
* Die Differenz zur Kinofilm Laufzeit erklärt sich durch die um ein Bild pro Sekunde höhere Video Bildfrequenz.
(KINO 24 Bilder/Sek.) (TV 25 Bilder/Sek.) (PAL-SYSTEM)

INHALT

Cornel Brinkley ist der Anführer einer Schar Banditen, den Tramps, die überall herumziehen, um durch Verbrechen Gewinn zu machen. Dieses Mal wollen sie eine Postkutsche überfallen, in der sich auch Erik Engel befindet. Dieser Engel besitzt die Hälfte der Karte eines Schatzes, die ihm und seinem Freund Patterson von einem alten Indianer geschenkt wurde. Der Überfall gelingt, Erik Engel und die restliche Besatzung der Kutsche werden ermordet und die Tramps können entfliehen. Die Kutsche schicken sie führerlos weiter nach Tulsa.

Sie ahnen jedoch nicht, dass Winnetou und sein Blutsbruder Old Shatterhand wenige Stunden später zum Ort des Überfalls kommen und die Spuren finden. Sie entdecken die Tasche des ermordeten Engel, die seinen Namen trägt, und erraten sofort die Übeltäter. Daher einigen sie sich darauf, dass Winnetou die Tramps weiter verfolgt, während Old Shatterhand weiter nach Tulsa reitet.

Dort wartet Engels Sohn Fred schon auf seinen Vater, und in der Vorfreude auf das Wiedersehen erzählt er seinen Freunden von der Schatzkarte. Unglücklicherweise befindet sich aber im Saloon auch der Mediziner Hartley, der ein Spion der Tramps ist und die ganzen Gespräche belauscht.

Die Postkutsche kommt an, und alle Menschen eilen nach draußen, um sie zu empfangen. Der Schreck ist groß, als der Überfall bemerkt wird. Fred trägt seinen toten Vater ins Haus und schwört dem Mörder Rache. Er reitet aus der Stadt in die Richtung, wo die Kutsche herkam. Dabei trifft er auf Old Shatterhand. Als Fred die Tasche seines Vaters sieht, hält er Old Shatterhand für den Mörder und greift ihn an. Old Shatterhand kann ihn aber überwältigen und erklärt ihm die Lage.

Unterdessen befindet sich Winnetou im Lager der Tramps, wo der Cornel gerade vom geglückten Überfall zurückkommt. Winnetou kommt noch vor den Tramps in deren Behausung und kann ihr Gespräch belauschen. Er erfährt die Absichten der Banditen und kann rechtzeitig entkommen. Er warnt sie noch, den beschlossenen Frieden nicht zu stören und verschwindet.

In Tulsa erklärt Fred seinen Gefährten Old Shatterhand, Sam Hawkens und Gunstick Uncle die Geschichte der beiden Kartenhälften. Er erwähnt, dass Patterson die zweite Hälfte besitzt, wird dabei jedoch von Hartley belauscht. Hartley wird zwar bemerkt, er kann aber trotzdem entfliehen. Nun ist Old Shatterhand klar, was die Banditen beabsichtigen. Er muss schnellstmöglich zu Butler's Farm, um sie vor den Tramps zu verteidigen, und das Leben von Patterson zu beschützen.

Hartley reitet direkt in das Lager der Tramps, wo der Cornel schon auf ihn wartet. Als Hartley ihm von der zweiten Kartenhälfte erzählt, hat auch Cornel Brinkley nur noch ein Ziel: Sofort reitet er mit seinen Männern zu Butler's Farm.

Es kommt zum Wettrennen, das jedoch Old Shatterhands Leute knapp für sich entscheiden können. Kaum sind sie in die Farm hineingeritten und die Tore geschlossen, greifen die Banditen schon an. Doch der erste Ansturm kann abgeschlagen werden, die Banditen ziehen sich zurück, um die Farm zu belagern.

Unglücklicherweise befinden sich Patterson und seine Tochter Ellen nicht auf der Farm. Sie sind zum Angeln ausgeritten. Als sie zurückkommen, laufen sie sofort dem Cornel und seinen Tramps direkt in die Arme. Jetzt haben die Banditen ein gutes Druckmittel: Sie fordern im Tausch gegen ihre beiden Geiseln die andere Hälfte der Karte. Old Shatterhand erbittet sich zwei Stunden Bedenkzeit.

Die Frist ist fast verstrichen, da hat Mrs. Butler die rettende Idee: Vor vielen Jahren wurde ein Stollen gebaut, um die Farm in Notzeiten verlassen zu können. Er führt durch den Brunnen bis hinter die Linien der Banditen. Old Shatterhand und Fred Engel überlegen nicht lange. Sie steigen durch den Brunnen in den Gang und gelangen so fast bis zu den Gefangenen, die sie somit befreien und in die sichere Festung zurückholen können.

Als der Cornel das nach Ablauf der zwei Stunden bemerkt, wird er ziemlich böse. Er lässt die beiden Wachen auspeitschen und beschließt dann, die Farm wieder anzugreifen. Doch nicht, wie beim ersten Mal, mit einem offenen Angriff. Er lässt Wolldecken zu dicken Ballen zusammenrollen, hinter denen sich seine Leute verbergen können. So können die nah an die Farm herangelangen und werfen Brandbomben, gegen die die Verteidiger machtlos sind. Nach langem Kampf gelingt es den Banditen wirklich, die Farm einzunehmen. Die Lage ist bedrohlich, doch da erscheint Winnetou. Er hat in der Zwischenzeit die Osagen zu Hilfe gerufen und gemeinsam mit ihnen werden die Banditen verjagt und fliehen in alle Richtungen.

Fred Engel reagiert sofort und macht sich auf die Spuren des Cornel. Es gelingt ihm auch, ihn einzuholen und im Zweikampf ist Fred ihm sogar überlegen. Er kann dem Gauner sogar dessen Hälfte der Karte abnehmen. Doch ein Tramp eilt Brinkley zu Hilfe und die beiden können fliehen, ohne dass Fred seine Rache nehmen kann.

Nun haben Old Shatterhand und seine Freunde beide Teile der Karte und wollen gemeinsam auf die Schatzsuche gehen. Sie beraten das Unternehmen und verlassen dann Butler's Farm, um durch das Gebiet der Utahs zum Silbersee zu gelangen.

Doch da ist ihnen der Cornel zuvorgekommen. Während die Utah-Krieger auf der Jagd waren, hat er mit seinen Leuten ihr Dorf überfallen und Frauen und Kinder getötet. Damit hat er erreicht, was er wollte. Die Utahs graben das Kriegsbeil aus und schwören, jeden Weißen zu töten, der in ihre Arme fällt.

Auf ihrem Weg treffen die Schatzsucher den englischen Lord Castlepool, der auf der Schmetterlingssuche ist. Sie bieten ihm an, mit ihnen zu reiten, was dieser auch annimmt. Als sie durch das überfallene Indianerdorf kommen, bemerken sie die Flammen. Doch schon kommen die Utahs zurück und denken, dass Old Shatterhands Gruppe die Tat begangen hätten. Es kommt zum Kampf, den Old Shatterhand und Freunde jedoch vorerst für sich entscheiden können.

Doch während diesem Kampf haben sie nicht bemerkt, dass Ellen Patterson verschwunden ist. Ihr Pferd hat sich selbständig gemacht und dadurch reitet sie den Banditen genau in die Arme. Cornel Brinkley hinterlässt Old Shatterhand eine Nachricht und reitet mit Ellen direkt ins Hauptquartier der Tramps.

Schon wieder sehen sich die Schatzsucher mit einer neuen Situation konfrontiert. Während sie immer noch die Utahs im Rücken haben, wollen die Tramps im Tausch mit Ellen Patterson beide Teile der Karte haben. Doch Winnetou erkennt richtig, dass die Tramps, wenn sie im Besitz beider Karten sind, keine Rücksicht mehr auf Ellen nehmen müssen. Daher prägt sich Fred die Karte ein und reitet zu den Tramps, um diese möglichst langsam zum Silbersee zu führen, damit seine Gefährten die Chance zu haben, früher dazu sein. Winnetou reitet als Späher mit.

Derweil begeben sich Old Shatterhand und seine Freunde in die Hände der Utahs, um ihre Unschuld zu beweisen. Die Indianer glauben den Weißen zwar nicht, fürchten sich aber vor dem Zaubergewehr (Henrystutzen) Old Shatterhands. Daher beschließen sie einen Zweikampf zwischen Old Shatterhand und ihrem Häuptling "Großer Wolf", den sie für unbesiegbar halten.

Doch Old Shatterhand kann den Häuptling besiegen. Nach einer Kraftprobe und einem harten Zweikampf gelingt es Old Shatterhand, den Häuptling bewusstlos zu schlagen und so zu siegen. Die Weißen verlassen die Indianer, um schnellstmöglich zum Silbersee zu gelangen und den Vorsprung aufzuholen, den die Tramps schon haben, obwohl Fred sie so langsam wie möglich führt.

Schon hofft man, nach langen Ritten den Cornel eingeholt zu haben, da stellt sich ein neues Hindernis ein: Der Rollende Donner, ein Unterhäuptling der Utahs, hat während der Bewusstlosigkeit des "Großen Wolfs" die Krieger dazu aufgehetzt, die Weißen weiter zu verfolgen und zu töten. Winnetou bemerkt dies und es gelingt ihm, die Utahs in den Geistercanyon zu locken, wo schließlich erst der "Große Wolf" die Ordnung wieder herstellen kann. Er raucht mit Old Shatterhand die Friedenspfeife.

Doch inzwischen sind die Tramps am Silbersee angelangt. Sie sehen die Höhle, in der der Schatz versteckt sein soll und beginnen, ein Floß zu bauen. Der Cornel fährt mit drei Tramps zu Höhle, während die Hinterbliebenen den Auftrag erhalten, Fred zu töten, sollte der Cornel nicht binnen einer Stunde zurückkehren.

Diese Stunde ist fast vergangen, als Winnetou und Old Shatterhand mit Hilfe der inzwischen verbündeten Utahs eingreifen und Fred und Ellen befreien. Sie können jedoch nicht verhindern, dass Cornel Brinkley schon in der Höhle angekommen ist.

Dort wittern die Banditen schon den Reichtum, wodurch sie zum Wahnsinn getrieben werden. Nachdem sie einen alten Häuptling, den Wächter des Schatzes, aus dem Weg geräumt haben, fallen sie wie die wilden Tiere übereinander her, da keiner dem anderen den Schatz gönnt.

Der Cornel setzt sich durch, indem er die anderen drei erschießt. Fast ist er am Ziel, als der alte Indianer ein letztes Mal zu sich kommt und den Schatz mit einem geheimen Mechanismus vernichtet, der auch den Cornel das Leben kostet. Zusammen mit dem lang gejagten Schatz versinkt er in der Grotte in die Erde.

Winnetou und Shatterhand fahren ebenfalls zur Höhle, wo sie nur noch den Tod der Banditen feststellen können. Zusammen mit den Utahs verlassen die Freunde den Silbersee.



BUCHVORLAGE

Nach dem wiederum mäßigen Erfolg des Kinofilms "Der Löwe von Babylon" dauerte es wieder einige Jahre, um genau zu sein drei, bis das nächste Projekt Karl- May-Film in Angriff genommen wurde. Doch dieses Mal wurden sämtliche Positionen ausgewechselt. Horst Wendlandt produzierte das ganze, und neben einem neuen Regisseur wurden auch alle Hauptdarsteller neu besetzt.

Wendlandt hielt die Stoffe von Karl May für eine Goldgrube, und er erkannte sofort, was er machen musste. Bis jetzt wurden immer nur Orientstoffe verfilmt, obwohl die Amerika-Erzählungen eigentlich viel beliebter waren. Nach einigen Umfragen kam er dann zu der Idee, den "Schatz im Silbersee" zu verfilmen, der zu den meistgelesenen Romanen Karl Mays zählt.

Welches jetzt genau der Schlüssel zum Erfolg war, ist umstritten. War es Pierre Brice, der zwar nie so aussah, wie Karl May ihn beschrieb, aber ein Bild von Winnetou prägte, das wohl auch heute noch gilt? War es Lex Barker, der ebenfalls nicht aussieht wie der Old Shatterhand in Karl Mays Phantasie, und der sich am Anfang des Films sogar demonstrativ den Bart abschneidet? War es die schöne Landschaft? Oder die Musik, die seinerzeit sogar in die Hitparaden kam? Das kann wohl keiner beantworten. Es passte halt alles zusammen. Da stört es auch nicht weiter, dass der Film gar nicht so viel mit dem Buch gemeinsam hat, wie man eigentlich vermutet hätte...

Die Struktur des Buches "Der Schatz im Silbersee" ist relativ einfach, trotzdem aber von Karl May genial inszeniert. Es beginnen immer wieder neue Einzelerzählungen mit verschiedenen Charakteren, die im Verlauf der Handlung verschmelzen. Den Anfang macht die Erzählung auf dem Arkansas-Dampfer, auf dem sich Old Firehand und der Rote Cornel befinden, außerdem noch Nintropan-hauey und sein Sohn, der Ingenieur Pattersson und seine Tochter Ellen. Im weiteren Verlauf kommen noch die Tante Droll und Fred Engel hinzu. In diesen Anfangskapiteln wird der Grundstein für die Rivalität zwischen den Leuten Old Firehands und der Bande des Cornel, den Tramps gelegt.

In der folgenden Episode taucht Lord Castlepool auf, der sich mit Humply-Bill und Gunstick-Uncle zusammentut, um Abenteuer zu erleben. Bald treffen sie auch die Gruppe von Old Firehand und die auch im Film vorkommende Episode des Kampfes um Butlers Farm geschieht. Interessant ist, dass Castlepool im Buch Abenteuer sammelt, während er im Film auf Schmetterlingsjagd geht. Dafür wird das Motiv der Abenteuersuche im Film "Winnetou 2. Teil" wieder aufgegriffen, obwohl in dem Buch Castlepool gar nicht auftaucht.

Nach einem erneuten Szenenwechsel taucht ein falscher Arzt namens Hartley, der auf einen Mr. Keller trifft. Beide bekommen es mit den Tramps zu tun, Keller wird ermordet, Hartley von Winnetou gerettet. Auch diese beiden treffen auf Old Firehand und Freunde, und zwar in Sheridan, wo sie abermals gegen die Tramps kämpfen. Auch im Film gibt es einen falschen Arzt, der jedoch auf der Seite der Tramps steht und in Tulsa die Situation auskundschaftet.

Wieder Szenenwechsel, wieder neue Charaktere. Dieses Mal reiten Old Shatterhand, der Hobble Frank, der Dicke Jemmy und der Lange Davy durch die Prärie, um bald auf Utahs zu treffen. Sie werden gefangen und jeder muss gegen einen Utah um sein Leben kämpfen. Natürlich gewinnen alle vier und entkommen, wodurch sie wiederum auf Winnetou und Old Firehand treffen und zum Silbersee reiten.

Am Silbersee schließlich kommt es zum finalen Kampf mit den Utahs, die zwischendurch relativ unspektakulär den Cornel und seine Tramps zu Tode gemartert haben. Durch eine List verschaffen sich die Utahs zwar wieder einen Vorteil, aber durch das Erscheinen Nintropan-haueys ist der Sieg letztlich doch auf der Seite Winnetous, Old Firehands und Old Shatterhands.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat, wird sich jetzt wohl über die wenigen Gemeinsamkeiten wundern. Um es vorweg zu nehmen: Die meisten Szenen des Filmes sind zwar im Buch, aber mit ganz anderem Zusammenhang oder anderen Personen. Bleibt nur noch die Frage nach Old Firehand im Film, da er im Buch wohl die Hauptperson darstellt.

Um mal einen kleinen Exkurs zu machen: Im Buch ist Old Firehand der zweitwichtigste Trapper nach Old Shatterhand, und er taucht auch relativ häufig auf. Dagegen ist Old Surehand meistenteils unbekannt, er wird außer in "Old Surehand I+II" und "Winnetous Erben" nie erwähnt. Trotzdem bringt es Old Surehand bei den Karl-May-Filmen auf drei Auftritte, während Old Firehand nur einen hat...

Genaues Gegenteil davon ist Sam Hawkens. Er taucht zwar in den Büchern selten auf, zumindest seltener als der Hobble Frank, die Tante Droll, der Dicke Jemmy oder der Lange Davy, ist aber dafür in vielen Filmen dabei. Im "Schatz im Silbersee"-Buch taucht er gar nicht auf.

Der Beginn des Filmes, der Mord an Erik Engel, wird im Buch nur kurz erwähnt, als Tante Droll davon erzählt. Auch der Beginn in Tulsa ist nicht im Buch verzeichnet. Fred Engel ist im Buch jünger, genauso wie Ellen Pattersson, die gerade mal 15 ist; im Film haben beide Hauptrollen. Trotzdem ist der Beginn im Film interessanter, da man im Buch eigentlich in der ersten Hälfte gar nicht weiß, um was es sich genau handelt.

Dagegen ist im Film direkt die Lage klar: Fred will seinen Vater rächen, die anderen den Schatz suchen. Also geht es los, zuerst auf Butlers Farm. Hier ist alles fast gleich wie im Buch, bis auf den Unterschied, dass die Osagen nicht erst herbeigerufen werden, sondern schon vorher da sind und sich von Anfang an beim Kampf beteiligen.

Während es im Film weiter zu den Utahs geht, wechseln im Buch mal wieder die Hauptdarsteller; die Episode in Sheridan wurde weggelassen. Die Art der Gefangennahme ist ähnlich. Old Shatterhand und seine Begleiter werden im Wald überrascht und können sich noch auf einen Felsen retten. Sie gehen freiwillig mit, da sowohl sie als auch die Utahs keinen Vorteil haben.

Während im Buch alle vier Westmänner auf verschiedene Art um ihr Leben kämpfen müssen (der Lange Davy muss schwimmen, der Dicke Jemmy ringen, der Hobble Frank laufen und Old Shatterhand mit Messer und Tomahawk kämpfen), muss im Film nur Old Shatterhand ran. Daher kommt an dieser Stelle die Komik des Buches nicht rüber. Die drei ersten sind nämlich alle ihrem Gegner körperlich unterlegen, gewinnen aber mit List.

Nachdem sie hier entkommen, treffen sie wie im Buch mit Winnetou wieder zusammen. Die Geschichte im Film, dass Ellen und Fred den Tramps ausgeliefert werden, gibt es im Buch nicht, da beide erstens keine Rolle spielen und zweitens noch gar keine Rede von einem Schatz im Silbersee ist. Daher sind alle Szenen, in denen Fred oder Ellen in den Händen der Tramps sind, erfunden, auch, dass die Tramps jemals am Silbersee ankommen. Sie werden nämlich vorher von den Utahs, denen sie in die Hände laufen, exekutiert. Auffällig ist, dass die Utahs immer gegen Winnetou, Old Shatterhand und Old Firehand sind, während sie sich im Film mit diesen verbünden gegen den Cornel.

Winnetou, Old Shatterhand und Old Firehand ziehen nun weiter zum Silbersee, gefolgt von den Utahs. Old Firehand hat nämlich beim Silbersee eine Silbermine entdeckt, die er mit ein paar Rafters ausbeuten will. Am Silbersee angekommen, erfahren sie dann auch noch von einem anderen Schatz im Silbersee. Doch dazu kommt es nicht mehr. Die Utahs kommen näher, und kommen durch die Hilfe des Häuptlings der Timbabatschen, dem Langen Ohr, in einen Tunnel, der von Nintropan-hauey geflutet wird. Das bedeutet ihr Ende, und auch der Schatz im Silbersee ist verloren.

Im Film wird dieser Schatz ganz anders dargestellt, und zwar in einer Höhle oberhalb des Sees. Im Buch gibt es eine Insel, die früher von Indianern erbaut wurde, als es im See noch kein Wasser gab. Als das dann kam, war nur noch die Spitze über Wasser und bildete die Insel, von der aus aber noch die alten Gänge nach unten führten; da lag der Schatz.

Wer sich jetzt immer noch nicht im Klaren ist über den genauen Inhalt, den kann ich beruhigen. Es hört sich nicht nur kompliziert an, es ist auch kompliziert. Denn während des gesamten Buches weiß man eigentlich bis kurz vor Ende nicht, wo man dran ist: Mal kämpft man gegen die Tramps, mal gegen die Utahs, mal taucht ein falscher Arzt auf, mal ein englischer Lord... es ist wirklich verwirrend. Auch ist kein klares Ziel erkenntlich.

Dagegen ist im Film von Anfang an alles klar. Alle wissen, was sie wollen. Der Cornel will den Schatz und die anderen wollen den Cornel. Das ganze geht bis zum Silbersee, wo der Cornel umkommt und der Film endet.

Daher ist meiner Meinung nach "Der Schatz im Silbersee" ein Film, der besser als das Buch ist. Beide sind zwar von der Handlung her nicht unbedingt vergleichbar, aber der Film ist doch etwas klarer im Ablauf. Dazu die schöne Musik und die wundervollen Landschaften (besonders der Silbersee) - das macht diesen Film zu einem meiner drei Favoriten.

(bk)